Hamid Karsai
Chef der afghanischen Übergangsregierung ist Hamid Karsai. Sein Name war bis zur Petersberger Afghanistan-Konferenz Ende 2001 nur Insidern bekannt. Karsai gehört dem Volk der Paschtunen an. Sein Rückhalt liegt vor allem bei den südpaschtunischen Stämmen, die noch im Herbst des Jahres 2001 eher als Unterstützer der Taliban galten.
Bekannte Vorfahren
Karsais Name leitet sich von seinem nahe Kandahar gelegenen Geburtsort ab. Sein Studium absolvierte er in den 70er Jahren in Indien und in den USA. Dort hatte er auch eine Restaurantkette gegründet. Deren Erlös soll auch in die Finanzierung des Kampfes gegen die sowjetischen Besatzer geflossen sein.
Karsai, der etwa 45 Jahre alt ist, besitzt eine Reihe namhafter Vorfahren. Sein Großvater Abdul Ahad Karsai war unter König Zahir Shah Präsident des Nationalrates. Hamid Karseis Vater, Abdul Ahad Karsai, hatte sich 1999 um einen Verhandlungsfrieden bemüht. Bei einem Besuch in Pakistan war er aber von zwei Angreifern erschossen worden. Der Tat verdächtig sind vor allem pakistanische Geheimdienstler oder Angehörige der Taliban.
Politiker mit Außenerfahrung
Karsai, selber 1992 bis 1994 schon einmal Vizeaußenminister Afghanistans zu Zeiten der Mudschaheddin-Regierung, genießt die Unterstützung der USA. Aus deren Sicht düfte Karsai allerdings nur die zweite Wahl sein. Der von den USA favorisierte Paschtune Abdul Haq fiel aber im November 2001 den Taliban in die Hände, die ihn sofort standrechtlich exekutierten.
Karsai war Anfang November mit einem US-Militärhubschrauber nach Pakistan ausgeflogen worden, nachdem eine von ihm geführte Gruppe in Afghanistan von den Taliban entdeckt und gefangen genommen worden war. Diese Gruppe hatte offenbar die Aufgabe, paschtunische Stämme gegen die Taliban mobilisieren.
Karsai soll sich bereits seit 1999 bewaffnet gegen die Taliban gewandt haben. Zuvor hatte er die Taliban wie viele andere paschtunische Führer unterstützt.
Schlüsselfigur im Kampf gegen die Taliban in Südafghanistan
Mitglieder aus Karsais Stamm der Popalsai aus der südafghanischen Provinz Urusgan nahmen im Spätherbst 2001 an den Kämpfen um Kandahar teil. Es waren im übrigen damals fast die einzigen Scharmützel gegen die Taliban - das übrige Land war in der Regel kampflos an die Taliban-Gegner gegangen. Meist geschah das über Absprachen.
Karsais Teilnahme an Kämpfen ermöglichte ihm einen medienwirksamen Auftritt auf dem Petersberger Treffen. Per Telefon wandte sich Karsai an die Konferenzteilnehmer und mahnte sie, eigene Interessen zurückzustellen, um dem Lande den Frieden zu bringen.
Als es um die Wahl eines Übergangschefs für die neue Regierung in Kabul ging, setzte sich der in der Ferne agierende Karsai gegen einen anwesenden Vertrauten des Ex-Königs Zahir Shah durch. Damit war auch eine Entscheidung darüber gefallen, dass dem Ex-König künftig bestenfalls noch eine symbolische Aufgabe zufallen kann.
Chef einer Verwaltung ohne Land?
Mit der Einsetzung Karsais schien ein Ende der jahrzehntelangen Kämpfe in Sicht. Sehr bald zeigte sich aber, dass die zahllosen Warlords keineswegs bereit waren, sich einer Zentralregierung zu unterwerfen.
Der größte Teil des Landes entzieht sich derzeit der Kontrolle durch die Zentralregierung. So misslang der Versuch Karsais der nahe Kabul gelegenen Provinz Paktia einen Gouverneur seines Vertrauens aufzuzwingen. Der Kabul-Vertraute wurde mit Waffengewalt zum Rückzug gezwungen. Kämpfe in verschiedenen Regionen des Landes wie auch die Ermordung des afghanischen Tourismusministers machen die instabile Lage deutlich. Es ist daher nur verständlich, dass Karsai eine Verlängerung des Mandats der UN-Friedenstruppe wünscht.
Quelle: mdr.de
Hamid Karzai´s Weg zur Macht - Nur eine "Marionette der Amerikaner"? (Deutsch, PDF, 4 Seiten) von Conrad Schetter
















